Exchange Traded Funds
Exchange Traded Funds (ETFs) sind Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden und den Kurs passiv abbilden. Zunächst waren die Indexfonds die einzigen an der Börse notierten Fonds. Inzwischen werden auch aktiv gemanagte Fonds an den Börsen gehandelt. Diese zählen jedoch nicht im eigentlichen Sinne zu den ETFs. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds bilden Indexfonds die Wertentwicklung von Indizes wie etwa dem deutschen Leitindex DAX passiv nach. Die Fondsmanager versuchen nicht über eine Aktienauswahl den Fonds aktiv zu optimieren. Vielmehr erfolgt bei einem Indexfonds ein Nachbau des Markt-, Regionen- oder eines Branchenindex eins zu eins. Passiv gemanagte Fonds werden nur dann neu strukturiert, wenn sich die Zusammensetzung des Index ändert oder sich die Gewichtung innerhalb des Index verschiebt. Da ein Exchange Traded Fund fortlaufend gehandelt wird, kann mit einem ETF eine bestimmte Fondsanlage jederzeit ähnlich wie eine Aktie gehandelt werden.
Anzeige:
Inzwischen sind in Europa mehr als 100 Milliarden Euro in Indexfonds angelegt. An der deutschen Börse in Frankfurt sind 330 ETFs gelistet. Das ist das größte Angebot in Europa. Dass die Indexfonds bei privaten aber auch institutionellen Anlegern immer beliebter werden, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die ETFs deutlich günstiger sind als die Geldanlage in beispielsweise einen vergleichbaren Investmentfonds oder einem aktiv gemanagten Fund. Denn ETFs verursachen erheblich weniger Verwaltungsgebühren als andere Fonds. Diese betragen bei Aktien-ETFs lediglich zwischen 0,35 und 0,50 Prozent pro Jahr. Bei Renten-ETFs liegt die jährliche Gebühr sogar nur zwischen 0,15 und 0,25 Prozent.
ETFs bieten jedoch nicht nur eine kostengünstige Anlagemöglichkeit, sondern punkten durch weitere Vorteile gegenüber anderen Investmentmöglichkeiten. So bilden Exchange Traded Funds Sondervermögen des Emittenten. Das bedeutet im Falle einer Insolvenz des Emittenten, das Fondsvermögen bleibt erhalten, da es vom übrigen Vermögen des Emittenten getrennt ist. Auch die Transparenz ist im Vergleich zu klassischen Investmentfonds größer. Während bei diesen lediglich am Quartalsende der Portfoliobestand veröffentlicht wird, werden die Anleger bei einem Investment in ein ETF aktuell und fortlaufend über die Struktur ihrer Anlage informiert. Ein Vorteil des Börsenhandels ist, dass ETFs den ganzen Tag über zu den gerade geltenden Kursen gehandelt werden können. Auch steuerlich kann sich die Anlage in ETFs rechnen. Grundsätzlich werden ETFs genauso wie Investmentfonds besteuert. Ob dabei Dividenden ausgeschüttet oder einbehalten werden, ist für die steuerliche Bemessung unerheblich. Für die Erträge aus den Indexfonds fällt die Abgeltungssteuer an. Eine Ausnahme bilden jedoch solche passiv gemanagte Fonds, die einen Index mit Hilfe von so genannten Swaps nachbilden. Der Begriff kommt aus dem Englischen und beschreibt ein Tauschgeschäft, in diesem Fall zwischen Banken. Da ETFs, die Indizes mit Hilfe von Swaps nachbilden, zählen zu den Derivaten. Gewinne aus solchen Geschäften werden steuerlich als außerordentliche Erträge behandelt. gelten als außerordentliche Erträge, welche so lange sie nicht ausgeschüttet werden auch steuerlich nicht erfasst werden. Die Abgeltungssteuer wird erst beim Verkauf des Fonds fällig.
Trotz dieser Vorteile haben sich in Deutschland ETFs bei der Kapitalanlage privater Anleger noch nicht vollständig durchsetzen können, auch wenn acht Jahre nach der Einführung der Indexfonds im deutschen Markt der Anteil der privaten Investments steigt und der Anteil der ETFs bei rund fünfzehn Prozent des gesamten Markvolumens liegt. Vielleicht erhöht sich der Marktanteil in Zukunft schneller, wenn die Verwaltungsgebühren weiter sinken. Bei den im September 2008 neu aufgelegten ComStage-Produkte der Commerzbank AG liegt die Verwaltungsgebühr etwas niedriger als die der übrigen am Markt gehandelten Indexfonds. Zum Beispiel kostet der DAX-ETF 0,12 Prozent pro Jahr, während sonst 0,15 Prozent üblich sind. Um die Attraktivität ihrer Produkte zu steigern, bietet die Commerzbank AG zudem die Möglichkeit, bis Ende 2008 über Direktbanken wie Comdirect oder Cortal Consor zu ordern, ohne dass eine Verwaltungsgebühr anfällt.
Die Idee, Fonds an der Börse zu notieren und Indizes nachzubilden, wurde in den den 70er Jahren von der American Stock Exchange entwickelt, an der bis vor wenigen Jahren auch die Mehrzahl der ETFs gehandelt wurden. Die ersten Fonds wurden von State Street Global Advisors auf den Markt gebracht. Der 1993 eingeführte erste Fonds, mit dem Namen Standard & Poor's Depositary Receipt, umgangssprachlich auch als Spider bekannt, hat inzwischen ein Volumen von 50 Milliarden US-Dollar. Der größte Anbieter ist jedoch inzwischen iShares von Barlays Global Investors mit 140 Milliarden US-Dollar angelegten Kundengeldern. Allein in Europa verwaltet iShares 37 Milliarden Dollar.
Anzeige: