Weblogs - Neue Stimme im Medienkonzert oder überflüssige Internet-Tagebücher?
Für die Einen sind sie die "Ritter der Schwafelrunde" und "Klowände des Internets", für die anderen ein kraftvolles, anarchisches Gegengewicht zum etablierten Journalismus, die Stimme des Volkes. Dieser Artikel gibt einen kleinen Überblick zum Thema Weblogs.
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Der Begriff Weblog, ein Schachtelwort aus Web und Logbuch, existiert ungefähr seit 1997. 1999 bürgerte sich die weitere Verkürzung Blog ein. Zwar gab es diese Art Online-Tagebücher schon einige Jahre vorher, doch der allgemeine Boom setzte erst gegen 1999 ein. Mit der zunehmenden Berichterstattung der traditionellen Medien wuchs das Interesse der Internet-Nutzer an dieser Form des Internets. Wer hip sein wollte, brauchte auch ein Blog.
Inzwischen ist es so einfach wie nie, ein eigenes Blog zu führen. Ob auf dem eigenen Webspace mit kostenlosen Content-Management-Systemen für Weblogs wie Wordpress.org oder bei Anbietern von kostenlosen Blogs wie Blogger.com oder wordpress.com. HTML-Kenntnisse sind nicht nötig, der Blogger in spe kann sich aus einer ganzen Reihe kostenloser Vorlagen diejenige aussuchen, die ihm am besten gefällt. Und wer sich ein wenig auskennt kann diese Vorlagen ganz leicht an seine individuellen Vorlieben anpassen. Fertig ist das Blog. Aber welche Merkmale machen aus einer normalen Internet-Seite ein Blog?
Inhalt, Inhalt, Inhalt - und Dynamik
Während klassische Internet-Seiten eher statischen Inhalt besitzen und nur in größeren Abständen aktualisiert werden, leben Blogs von der Tagesaktualität und Dynamik. Am besten täglich, zumindest aber alle paar Tage, sollte das Blog gefüllt werden. Mit interessanten Links, Gedanken, Thesen, Essays. Alte Beiträge rücken an den Fuß der Seite und letzten Endes ins Archiv, neue Beiträge und Kommentare stehen ganz oben.
Mitmachen erlaubt - Kommentare erbeten
Weblogs leben vom Mitmachen. Die integrierte Kommentar-Funktion der meisten Blogs erlaubt es jedem Leser, seinen Senf dazuzugeben. Kontroverse Themen kommen schnell auf weit über hundert Kommentare. Manche Blogs verlangen ein Einloggen oder sichten die Kommentare zuerst. Das ist keine Schikane, sondern soll lediglich Kommentar-SPAM, als Kommentar getarnten Werbebotschaften, vorbeugen.
Ordnung ohne Suchen - Permalinks
Jeder Beitrag erhält eine eindeutige Adresse, einen Perma(nenten)link, so dass er als eigenes Lesezeichen/Bookmark gespeichert und jederzeit wieder gefunden werden kann. Auch wenn er vor Jahren geschrieben wurde und inzwischen längst ins Archiv gewandert ist.
Diese ständige Verfügbarkeit und die ausgefeilte Suchfunktion der meisten Blogs bergen allerdings auch Gefahren. Inzwischen durchforsten immer mehr Personalbeauftragte großer Unternehmen auch die Blogosphäre, bevor sie sich für einen Bewerber entscheiden. Der unbedachte Beitrag des anarchistisch denkenden 17-jährigen, der über eine Firma schimpft, kann so schnell zum Stolperstein für den inzwischen 25-jährigen Bewerber sein, der seine Meinung mittlerweile geändert hat und sich bei eben jener Firma bewirbt. (Dies nur als Beispiel). Andererseits machen sich kompetente Blogger auch als Mitarbeiter interessant.
Immer auf dem Laufenden - RSS-Feeds
Kein Blog ohne Feed. RSS-Feeds ermöglichen dynamische Lesezeichen. Neue Beiträge erscheinen sofort bei der automatischen Aktualisierung des Lesezeichens, so dass die Blog-Leser stets auf dem neuesten Stand sind. Wichtig für aktiv geführte Blogs, die teilweise mehrfach täglich aktualisiert werden.
Dichte Vernetzung - Trackback
Wer hat etwas in einem anderen Blog über meinen Beitrag geschrieben, wer hat meinen Kommentar in einem anderen Blog kommentiert? In der Blogosphäre ist die Vernetzung dichter als sonst im Internet. Durch diese Vernetzung ergibt sich eine beeindruckende Dynamik. Als die "Du bist Deutschland"-Kampagne in diversen Blogs kritisiert wurde, und einer der Verantwortlichen Blogs daraufhin als "Klowände des Internets" beschimpfte, ging die Post richtig ab. Die Emotionen kochten hoch, die Blogosphäre war empört, auch etablierte Medien berichteten über den Aufruhr. Der Verantwortliche entschuldigte sich schließlich, um den Schaden zu begrenzen.
Virtuelle Kettenbriefe - Stöckchen werfen
Von Zeit zu Zeit werfen sich die Blogger virtuelle Stöckchen zu, die weitergereicht werden wollen: Ein Bild der aktuellen Kaffeetasse oder des gerade gehörten iTunes-Songs posten zum Beispiel. Das stärkt den Zusammenhalt und zeigt, wer wirklich zum inneren Kreis gehört.
Mittlerweile haben auch immer mehr etablierte Medien ein eigenes Blog. Auch Firmen-Blogs existieren, gemeinschaftliche Foren für die Mitarbeiter. Es gibt Blog-Sponsoring ( Ein Opel Astra wird ein paar bekannten Bloggern überlassen, damit die dann über Ihre Erfahrungen mit dem Fahrzeug berichten - was auf harsche Kritik von Seiten der ungesponsorten Blogs stößt) und auch Werbe-Links auf Blogs sind keine Seltenheit mehr. In Deutschland wird bisher allerdings im Gegensatz zu den USA noch kein wirkliches Geld verdient.
Dafür etablieren sich langsam Themen-Blogs, die ganz konzentriert zu einem bestimmten Thema schreiben: Ob es nun das Bild-Blog ist, dass sich darauf konzentriert, der Zeitung mit den großen Buchstaben zu korrigieren, oder das Law-Blog, dessen Autor zum Thema Recht schreibt oder das Taxi-Blog, das aus dem Taxifahrerleben berichtet.
Wer jetzt neugierig geworden ist und den beliebtesten deutschen Blogs einen Besuch abstatten möchte, klickt am Besten auf deutscheblogcharts.de, die Hitliste der meist verlinkten deutschen Blogs. Oder er gibt das Thema seiner Wahl bei technorati.com, der Blog-Suchmaschine, ein.